24.08.2023
Stadtwerke Neumünster
Cyberangriff
Die Stadtwerke Neumünster haben laut Medienberichten vorsorglich sämtliche Systeme heruntergefahren, nachdem sie einen Cyberangriff festgestellt hatten.
Getroffen wurdeVerwaltungs-IT
Energieversorger & Stadtwerke · EnWG § 5c · KRITIS · NIS2
Als Netzbetreiber unterliegt ihr § 5c EnWG (bis Dezember 2025 § 11 Abs. 1a): eine Zertifizierung nach dem IT-Sicherheitskatalog der Bundesnetzagentur ist seit dem 31. Januar 2018 verpflichtend und wird alle drei Jahre erneut geprüft. Größere Anlagen fallen zusätzlich unter die KRITIS-Verordnung, dazu kommt NIS2. Wir testen dort, wo bei Stadtwerken der Alltag tatsächlich stattfindet: OT und Fernwirktechnik neben klassischer IT, unbemannte Umspannwerke und Kundenportale mit hoher Reichweite.
Angriffsfläche Energieversorgung
Stadtwerke verbinden klassische IT mit Betriebstechnik, die physisch über ein ganzes Netzgebiet verteilt ist, oft an Standorten ohne durchgehende Personalpräsenz. Beide Spuren haben eigene Einstiegspunkte, und an drei Stellen liegen sie direkt nebeneinander.
ITVerwaltung & Kundenschnittstellen
Gegenüber
OTNetzführung & Anlagen
VPN- und Herstellerzugänge verbinden das Büro-Netz mit der Leittechnik. Ohne Multi-Faktor-Authentifizierung und Segmentierung sind sie die Brücke von IT nach OT.
Zugang
Viele Umspannwerke und Nebenanlagen sind komplett unbemannt. Zutrittskontrolle und physische Absicherung entscheiden dort direkt über die Angriffsfläche.
Büro-Netz, E-Mail, Abrechnung. Ein Angriff hier kann sich schnell auf den gesamten Betrieb ausweiten, nicht nur auf die Verwaltung.
Zentrale
Zentrale Steuerung und Datenhaltung laufen hier zusammen, ein lohnendes Ziel mit oft nur minimaler Vor-Ort-Besetzung außerhalb der Kernarbeitszeit.
Portale für Vertragsdaten, Zählerstände und Abrechnung sind öffentlich erreichbar und damit ein direkter Einstiegspunkt von außen.
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Leitsysteme und Fernwirktechnik steuern die dezentrale Netzführung. Historisch gewachsene Protokolle und fehlende Segmentierung zur IT sind hier die typischen Schwachstellen.
In jeder Zeile steht links und rechts dieselbe Aufgabe. Erledigt wird sie nach verschiedenen Regeln: in der Verwaltung zählt, dass Daten vertraulich bleiben, im Netzbetrieb, dass nichts stehenbleibt.
Kern der Prüfung
Ein Angreifer braucht keinen direkten Zugriff auf die Leittechnik, um dort zu landen. Er braucht einen Fuß in der Büro-IT und eine Verbindung, die von dort weiterführt. Drei solcher Verbindungen gibt es in fast jedem Netzgebiet, und sie sind nicht aus Versehen da: ohne sie ließe sich das Netz nicht betreiben.
Das Schema wandert von selbst durch die drei Übergänge. Ein Klick hält es an.
Hersteller und Dienstleister brauchen Zugriff auf Komponenten, die über das halbe Netzgebiet verteilt stehen. Ohne diesen Zugang müsste für jede Störmeldung jemand hinausfahren.
Der Zugang endet nicht am Büro-Netz, sondern reicht bis in die Leittechnik. Fehlen Multi-Faktor-Authentifizierung und Segmentierung, nimmt ein gestohlenes Dienstleister-Passwort denselben Weg.
Wir sehen uns an, wer diese Zugänge nutzt, wie sie authentifiziert sind, wie weit sie ins Netz hineinreichen und ob ihre Nutzung nachvollziehbar protokolliert wird.
Infrastruktur-PentestSteuerung, Datenhaltung und Verwaltung liegen am selben Standort, häufig im selben Gebäudeteil. Das spart Fläche, Wege und Personal.
Ein Angriff auf die Verwaltungs-IT bleibt dann nicht in der Verwaltung. Außerhalb der Kernarbeitszeit ist der Standort dünn besetzt, und wer hineinkommt, steht neben beidem.
Wir prüfen den Zutritt vor Ort und im Netz: Türen, Zutrittskontrolle und Besucherregelung genauso wie Rechte, Trennung und Härtung der zentralen Systeme.
Physical PentestLeitsysteme und Fernwirktechnik melden Messwerte zurück und nehmen Befehle entgegen. Dafür müssen sie erreichbar sein, auch aus der Zentrale heraus.
Die dafür gebräuchlichen Protokolle stammen aus einer Zeit, in der niemand mit einem Angreifer im selben Netz gerechnet hat. Wer dort steht, wird nicht gefragt, wer er ist.
Wir schauen passiv mit, welche Protokolle unterwegs sind und welche Wege zwischen IT und OT tatsächlich offen stehen. Aktiv wird nur, was ihr vorher freigegeben habt.
OT/ICS PentestAlle drei Übergänge gehören in den Scope, auch wenn sie in keiner Netzwerkdokumentation als Übergang geführt werden. Geprüft wird an ihnen am seltensten, weil sie zwischen zwei Zuständigkeiten liegen.
IT vs. OT
Ein vollständiges Bild eurer Angriffsfläche entsteht erst, wenn IT- und OT-Sicherheit gemeinsam betrachtet werden. Beide folgen unterschiedlichen Prioritäten, und genau diese Lücke dazwischen wird in der Praxis am seltensten getestet.
| IT vs. OT | ITKlassische IT | OTOT/SCADA & Fernwirktechnik |
|---|---|---|
| Priorität | Vertraulichkeit der Daten | Verfügbarkeit der Versorgung |
| Patches | Patches lassen sich meist zeitnah einspielen | Patches oft über Jahre nicht einspielbar (Zertifizierung, Hersteller-Support) |
| Protokolle | Standardprotokolle (TCP/IP, HTTPS) | Proprietäre und Legacy-Protokolle ohne eingebaute Sicherheit |
| Wartungsfenster | Kurze Wartungsfenster möglich | Wartung nur in eng geplanten Zeitfenstern, Stillstand ist keine Option |
Ein Assessment, das nur IT-Konzepte auf OT anwendet, übersieht die tatsächlichen Risiken. Unsere Tests berücksichtigen beide Welten und deren jeweils eigene Belastungsgrenzen.
Diese Tabelle erklärt auch, warum ein Übergang so lange bestehen bleibt. Eine Lücke im Büro-Netz lässt sich oft am selben Tag schließen. Dieselbe Lücke an einem Leitsystem wartet auf das nächste Wartungsfenster, manchmal auf die nächste Freigabe des Herstellers.
§ 5c EnWG
Seit dem 31. Januar 2018 müssen Betreiber von Elektrizitäts- und Gasversorgungsnetzen ihre IT-Sicherheit nach dem IT-Sicherheitskatalog der Bundesnetzagentur zertifizieren lassen. § 5c EnWG erfasst zusätzlich Betreiber von Energieanlagen, die besonders wichtige oder wichtige Einrichtungen nach § 28 BSIG sind. Bis zu einem neuen Katalog gelten die bisherigen IT-Sicherheitskataloge weiter. Das ist kein einmaliger Nachweis, sondern eine wiederkehrende Pflicht zur erneuten Überprüfung.
Prüfrhythmus 3 Jahre bis zur nächsten Zertifizierung
Betreiber von Strom- und Gasnetzen müssen nach dem IT-Sicherheitskatalog zertifiziert sein.
Der Katalog verlangt die erneute Prüfung. Ein Pentest davor findet die Lücken vor dem Auditor.
Anlagen ab der KRITIS-Schwelle gelten nach § 28 BSIG als besonders wichtige Einrichtungen. Ihre Pflichten kommen weiterhin aus dem IT-Sicherheitskatalog nach § 5c EnWG, die zentralen BSIG-Pflichten (u. a. §§ 30, 31, 32 und 39) gelten für sie nach § 28 Abs. 5 BSIG nicht.
Alle 3 Jahre. Der IT-Sicherheitskatalog verlangt ausdrücklich eine regelmäßige Re-Zertifizierung, keine einmalige Pflicht. Wer den Nachweis nicht aktuell halten kann, riskiert aufsichtsrechtliche Konsequenzen der Bundesnetzagentur.
In der Verwaltungs-IT ist der Nachweis eine Frage von Konfiguration und Dokumentation. Vieles davon lässt sich auch kurz vor dem Audit noch geradeziehen.
In der Leittechnik hängt derselbe Nachweis an Geräten, die seit Jahren durchlaufen und für einen Prüftermin nicht neu gestartet werden. Wer erst im Auditjahr hinsieht, hat keine Zeit mehr zu reagieren.
Größere Anlagen, etwa Stromerzeugungsanlagen ab 104 MW, fallen zusätzlich unter die KRITIS-Verordnung und gelten damit als besonders wichtige Einrichtungen. Die Pflichten laufen für sie über den IT-Sicherheitskatalog nach § 5c EnWG, die zentralen BSIG-Pflichten (u. a. §§ 30, 31, 32 und 39) gelten nach § 28 Abs. 5 BSIG nicht.
Betroffenheit nach NIS2 prüfen Laufende Prüfung zwischen zwei Zertifizierungen
Chronik
Zwei Cyberangriffe, die über die Verwaltungs-IT den Geschäftsbetrieb lahmlegten, und ein physischer Anschlag auf Kabel. Die Angriffsfläche eines Versorgers endet nicht am Netzwerk.
24.08.2023
Cyberangriff
Die Stadtwerke Neumünster haben laut Medienberichten vorsorglich sämtliche Systeme heruntergefahren, nachdem sie einen Cyberangriff festgestellt hatten.
Getroffen wurdeVerwaltungs-IT
2025
Cyberangriff
Bei den Stadtwerken Schwerte wurden laut Medienberichten das interne Netz und das Kundenportal vom Netz genommen; die Daten sollen später im Darknet aufgetaucht sein.
Getroffen wurdeInternes Netz und Kundenportal
01/2026
Physisch, kein Cyberangriff
Ein Brandanschlag auf Stromkabel nahe dem Kraftwerk Lichterfelde traf laut Berichten rund 45.000 Haushalte und 2.200 Gewerbekunden. Kein Cyberangriff, aber ein Beleg dafür, dass physische Absicherung neben der IT-Sicherheit wichtig bleibt.
Getroffen wurdePhysische Infrastruktur
Angaben nach öffentlicher Berichterstattung. Access Granted war an diesen Vorfällen nicht beteiligt.
Wie wir vorgehen, an echten FällenUnser Vorgehen
Versorgungssicherheit hat immer Vorrang. Bei OT- und Fernwirktechnik-Komponenten testen wir deshalb spürbar vorsichtiger als in reiner IT.
ITSpur IT
Kundenportale, Verwaltungs-IT und Fernwartungszugänge kommen in den Scope. Wir sammeln Informationen aus öffentlich zugänglichen Quellen und scannen die Netze.
Wir testen manuell im vereinbarten Scope: Authentifizierung, Zugriffsrechte, Segmentierung zur OT und die Härtung eurer zentralen Systeme.
Jedes Finding bewerten wir nach Schweregrad, Ausnutzbarkeit und Auswirkung auf die Versorgungssicherheit.
Im Büro-Netz ist der aktive Test Alltag. Was wir dort tun, tut ein Angreifer auch, nur ohne Absprache.
OTSpur OT
Gemeinsam legen wir fest, welche OT- und Leitsysteme aktiv getestet und welche ausschließlich passiv analysiert werden.
Protokolle und Netzverkehr analysieren wir passiv. Aktive Tests laufen nur in vorab vereinbarten Zeitfenstern außerhalb kritischer Betriebszeiten.
Ein fester Notfallkontakt begleitet jeden Test. Bei jeder unerwarteten Auswirkung auf Netzbetrieb oder Versorgung stoppen wir sofort.
In der Leittechnik ist jeder aktive Schritt eine Einzelfallentscheidung. Sie wird vorher getroffen, und ihr könnt sie jederzeit zurücknehmen.
Beide Spuren laufen zusammen
Vollständige Dokumentation mit Handlungsempfehlungen, eine Management-Summary für Geschäftsführung, IT-Leitung und Netzbetrieb und die Zuordnung jedes Findings zum IT-Sicherheitskatalog.
Relevante Module
IT und OT lassen sich nicht mit einem einzigen Test abdecken. Für Netzbetreiber setzen wir deshalb auf diese Kombination.
Simulierter Zutritt zu Umspannwerken, Leitstellen und Rechenzentren. Deckt die physische Angriffsfläche ab, die bei unbemannten Anlagen besonders relevant ist.
Gezielte Prüfung von SCADA, Fernwirktechnik und Leitsystemen, mit besonderer Rücksicht auf die Verfügbarkeit der Versorgung.
Netzwerksegmentierung zwischen IT, OT und Verwaltung, Zugriffsrechte und Härtung eurer zentralen Systeme.
Kundenportale für Vertragsdaten, Zählerstände und Abrechnung, geprüft aus der Sicht eines fremden Besuchers und aus der eines angemeldeten Kunden.
Welche Module ihr braucht, hängt davon ab, was bei euch tatsächlich zusammenhängt. Im Erstgespräch schneiden wir die Kombination auf euer Netzgebiet zu. Worauf ihr bei der Auswahl eines Anbieters achten solltet
Häufige Fragen
01IT-Sicherheitskatalog & KRITIS
02OT & Betrieb
In 30 Minuten besprechen wir euren Scope und klären, was für den IT-Sicherheitskatalog und KRITIS relevant ist. Am Ende steht ein unverbindliches, kostenloses Angebot.