Gesundheitswesen · § 75c SGB V & B3S

Bevor der nächste Vorfall
eure Klinik lahmlegt

Seit dem 1. Januar 2022 verpflichtet § 75c SGB V jedes Krankenhaus in Deutschland zu angemessenen technischen und organisatorischen Sicherheitsvorkehrungen nach dem Stand der Technik, alle zwei Jahre neu nachzuweisen. Gleichzeitig zeigen reale Ransomware-Vorfälle der letzten Jahre, wie konkret Kliniken im Visier stehen. Drei Stellen stehen bei uns im Fokus, weil dort in der Praxis am meisten passiert: Krankenhausinformationssysteme, vernetzte Medizingeräte und der Empfang als Einfallstor für den Faktor Mensch.

§75c- & B3S-taugliche Dokumentation Erfahrung mit Klinik-IT & Medizintechnik Kostenloses Erstgespräch
Zwei Welten

Wo Angreifer in Kliniken wirklich ansetzen

Kliniken verbinden klassische IT mit medizinischer Technik und ständigem Publikumsverkehr, eine Kombination, die es in kaum einer anderen Branche in dieser Form gibt.

Station & Empfang

Menschen, Geräte, offene Türen

Offene Eingangsbereiche, viele externe Besucher und Dienstleister: ein Umfeld, das physische Zugangskontrolle strukturell erschwert. Dazu kommt Personal unter Dauerbelastung. Schichtdienst, Personalfluktuation und hohe Arbeitsbelastung senken erfahrungsgemäß die Wachsamkeit gegenüber Phishing und Pretexting.

Am Bett stehen vernetzte Medizingeräte: Infusionspumpen, Monitore, bildgebende Systeme. Diese Geräte werden häufig herstellerseitig gewartet und stehen selten im Fokus klassischer IT-Sicherheitskonzepte.

Weiße Kittel, Klemmbretter und der Satz „Ich bin von der Technik, wegen der Wartung“ öffnen in einer Klinik mehr Türen als in fast jeder anderen Branche. Rezeptionen sind oft zeitweise unbesetzt, viele echte externe Dienstleister (Reinigung, Medizintechnik, Catering) laufen ohnehin unangemeldet durchs Haus, und Personal im Nachtdienst hat selten Zeit, eine Ausweiskarte im Detail zu prüfen. Unsere Physical- und Social-Engineering-Assessments simulieren genau solche Szenarien, kontrolliert und mit vorheriger Abstimmung, wer im Ernstfall informiert wird.

Serverraum & KIS

Schnittstellen, Fernwartung, Segmentierung

Das Krankenhausinformationssystem ist das zentrale System für Patientenakten, Abrechnung und Stationsabläufe, historisch gewachsen und oft mit vielen Schnittstellen zu Drittsystemen. Jede dieser Schnittstellen ist ein Weg hinein, den in der Regel niemand mehr vollständig im Kopf hat.

Die Medizingeräte von der Station tauchen hier wieder auf, als Netzwerkanbindung, Fernwartungszugang und Frage der Segmentierung. Genau dort prüfen wir sie meist, statt die Geräte selbst aktiv anzugreifen, denn Medizinprodukte dürfen im laufenden Betrieb nicht gefährdet werden.

Ob ein einzelner kompromittierter Rechner ein lokales Problem bleibt, entscheidet die Segmentierung zwischen KIS, IoMT und Verwaltung, zusammen mit Zugriffsrechten und der Härtung des Active Directory. Deshalb gehören beide in jeden Klinik-Pentest.

Was passieren kann

Wertachkliniken: ein Tag ohne IT

Bobingen & Schwabmünchen · September 2024

Anfang September 2024 wurde die Wertachklinik-Gruppe in Bobingen und Schwabmünchen laut Medienberichten Ziel eines Ransomware-Angriffs. Die IT-Systeme wurden vorsorglich vom externen Netz getrennt, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg (Zentralstelle Cybercrime) nahm die Ermittlungen auf. Der Vorfall ist kein Einzelfall: Das BSI-Forschungsprojekt „SiKIS“ (Fraunhofer SIT) hat 2024 systematisch Schwachstellen in deutschen Krankenhausinformationssystemen dokumentiert.

Angaben nach öffentlicher Berichterstattung. accessgranted war an diesem Vorfall nicht beteiligt.

Wir sind u. a. für die Kreiskliniken Reutlingen im Bereich IT- und Medizintechnik-Sicherheit tätig. Unsere Erfahrung im Gesundheitswesen
B3S-Mapping

Unsere Test-Module, zugeordnet zum B3S „Medizinische Versorgung“

Der B3S ist in Themenfelder gegliedert. Wir zeigen euch direkt, welches Pentest-Modul welches Feld abdeckt, damit euer Nachweis lückenlos ist.

Netzwerk- & Systemsicherheit
Infrastruktur-Pentest
Zugriffs- & Berechtigungsmanagement
Active Directory Pentest
Physische Sicherheit von Serverräumen & Stationen
Physical Pentest
Sensibilisierung & Verhalten des Personals
Social Engineering & Phishing-Simulation
Medizinprodukte & vernetzte Geräte (IoMT)
Individuelles Assessment
Nachtdienst · 22:30 Uhr

Wie ein Zutrittsversuch in der Klinik tatsächlich aussieht

Der Haupteingang ist längst zu, die Notaufnahme nicht. Jemand in Arbeitskleidung, Werkzeugkoffer in der Hand, Ausweiskarte am Band, folgt einer Pflegekraft durch die Tür zur Station und murmelt etwas von einer Störung im Technikraum. Niemand fragt nach, weil gerade drei Klingeln gleichzeitig gehen und weil externe Techniker zu dieser Uhrzeit nichts Ungewöhnliches sind. Wenig später steht die Person allein im Stationszimmer vor einem angemeldeten Rechner oder vor der Tür zum Serverraum.

Genau so testen wir, aber nie ohne Absprache. Vorab steht fest, wer im Haus Bescheid weiß, welche Bereiche tabu sind (zum Beispiel Intensivstation, OP und alles mit direktem Patientenbezug), wie sich unsere Leute auf Nachfrage sofort ausweisen und wer als Notfallkontakt erreichbar ist. Wird der Versuch erkannt und gestoppt, ist das ein gutes Ergebnis, kein peinliches. Und sobald irgendwo die Patientenversorgung berührt würde, brechen wir ab, bevor es dazu kommt.

Unser Vorgehen

Wie läuft ein Pentest in einer Klinik ab?

Patientensicherheit hat immer Vorrang. Deshalb ist unser Vorgehen bei Kliniken enger abgestimmt als bei anderen Branchen.

01

Scope mit Rücksicht auf Patientensicherheit

Gemeinsam legen wir fest, welche Systeme aktiv getestet und welche nur passiv analysiert werden, insbesondere bei Systemen mit direktem Patientenbezug.

02

Test mit Notfallkontakt

Informationssammlung, Netzwerk-Scans und manuelle Prüfung nach vereinbartem Scope, mit definiertem Notfallkontakt und sofortigem Stopp bei unerwarteten Auswirkungen auf produktive Systeme.

03

Bericht mit B3S-Zuordnung

Jedes Finding wird nach Schweregrad, Ausnutzbarkeit und Auswirkung auf den Klinikbetrieb bewertet und mit Handlungsempfehlungen, Management-Summary und Zuordnung zum B3S „Medizinische Versorgung“ dokumentiert.

Relevante Module

Diese Tests bringen eure Klinik-IT auf Stand der Technik

§ 75c und B3S verlangen Nachweise auf mehreren Ebenen zugleich. Diese drei Module greifen dafür ineinander.

  • Physical Pentest

    Simulierter Zutritt zu Empfang, Stationen und Serverräumen. Deckt die physische Angriffsfläche ab, die auf Kliniken besonders häufig zutrifft.

  • Social Engineering

    Phishing- und Pretexting-Simulationen, zugeschnitten auf Schichtbetrieb und hohe Arbeitsbelastung im Klinikalltag.

  • Infrastruktur & Active Directory

    Netzwerksegmentierung zwischen KIS, IoMT und Verwaltung, Zugriffsrechte und AD-Härtung.

Für größere Häuser zusätzlich relevant

Ab KRITIS-Schwelle: NIS2 und KRITIS

Ab 30.000 vollstationären Fällen pro Jahr gilt euer Haus zusätzlich als KRITIS-Betreiber, mit eigenen Nachweispflichten nach BSI-Gesetz und NIS2. Unsere Compliance-Seiten zeigen, was das konkret bedeutet.

Pentest im Gesundheitswesen: eure Fragen

§ 75c SGB V schreibt keine spezifische Testmethode vor, sondern verlangt angemessene Vorkehrungen nach dem Stand der Technik, alle zwei Jahre neu nachzuweisen. Ein Penetrationstest ist das gängige technische Instrument, um diesen Nachweis zu erbringen. Ohne regelmäßigen Test fehlt im Schadensfall der Beleg, dass ihr eurer Pflicht nachgekommen seid.
Der B3S (branchenspezifischer Sicherheitsstandard) der Deutschen Krankenhausgesellschaft ist ein vom BSI anerkannter Weg, den „Stand der Technik“ nach § 75c bzw. die KRITIS-Anforderungen nach § 8a BSIG zu konkretisieren. Für KRITIS-Betreiber im Gesundheitswesen ist die Umsetzung eines anerkannten B3S de facto Standard, für kleinere Häuser ist er eine sinnvolle, freiwillige Orientierung.
Ja, im Rahmen eines eng abgestimmten Scopes. Medizinprodukte unterliegen eigenen regulatorischen Anforderungen und dürfen im laufenden Betrieb nicht gefährdet werden. Wir prüfen daher meist die Netzwerkanbindung, Segmentierung und Fernwartungszugänge der Geräte, statt die Geräte selbst aktiv anzugreifen.
Vor jedem Test legen wir gemeinsam fest, welche Systeme aktiv getestet und welche nur passiv analysiert werden. Bei Systemen mit direktem Patientenbezug gilt grundsätzlich: im Zweifel vorsichtiger testen oder auslassen. Ein definierter Notfallkontakt und der sofortige Stopp bei unerwarteten Auswirkungen sind fester Bestandteil jedes Klinik-Assessments.
Ja, das gehört zu unserem Physical-Pentest-Modul. Wir simulieren realistische Zutrittsversuche, zum Beispiel als vermeintlicher Techniker oder Lieferant, und prüfen, ob Empfang, Zugangskontrollen und Serverräume dem standhalten. Das Vorgehen wird vorab mit einem festgelegten Kreis auf eurer Seite abgestimmt.
Das hängt stark vom Umfang ab: Anzahl der Standorte, Systeme, ob IoMT-Netzwerke im Scope sind, ob Physical und Social Engineering eingeschlossen werden sollen. Nach einem kostenlosen Erstgespräch kennen wir euren Scope und ihr erhaltet ein transparentes Festpreisangebot.